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Finanzierungsfit für die Transformation: Was Banken von Unternehmen erwarten (werden)

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Warum Reduktionsziele, klare Strategien und ein Blick auf neue ESG-Themen entscheidend für die Finanzierungen von Unternehmen werden.

Nachhaltige Finanzierung braucht Orientierung

Die Finanzwelt verändert sich – und mit ihr die Erwartungen an Unternehmen. Kapitalgeber:innen konzentrieren sich zunehmend auf Klimaziele und deren Umsetzung. Im Zentrum steht die Frage: Wie können Unternehmen ihren Transformationsweg so darstellen, dass er nachvollziehbar, überprüfbar und damit finanzierbar wird?

Der erste entscheidende Schritt ist eine Treibhausgasbilanz. Sie zeigt, wo ein Unternehmen heute steht – und genau dieser Überblick ist unverzichtbar, um sinnvolle Ziele zu setzen, Maßnahmen abzuleiten und im Gespräch mit Banken überzeugend aufzutreten. Ohne diese Datengrundlage bleiben Strategien vage und Reduktionspfade unglaubwürdig. Man kann die CO₂-Bilanz mit einer Gewinn- und Verlustrechnung vergleichen: Sie macht den Status quo sichtbar und schafft Transparenz, auf der alle weiteren Entscheidungen aufbauen.

Treibhausgasbilanz

Eine CO₂-Bilanz betrachtet nicht nur Kohlendioxid, sondern alle relevanten Treibhausgase, die in sogenannte CO₂-Äquivalente umgerechnet werden. So entsteht ein einheitliches Maß, das Transparenz und Vergleichbarkeit ermöglicht. Unternehmen können dabei auf zwei Ebenen ansetzen: Der Corporate Carbon Footprint umfasst die gesamten Emissionen der eigenen Geschäftstätigkeit einschließlich vor- und nachgelagerter Wertschöpfungsketten (Scope 1–3). Der Product Carbon Footprint hingegen fokussiert auf einzelne Produkte und analysiert deren Emissionen entlang des gesamten Lebenszyklus. Beide Ansätze liefern wertvolle Erkenntnisse – nicht nur für die interne Steuerung, sondern auch für den Dialog mit Geschäftspartnern und Finanzinstituten. 

Rahmenwerke: ISO 14064-1 und Greenhouse Gas Protocol (GHG)

Zur Erstellung einer CO₂-Bilanz haben sich zwei zentrale Rahmenwerke etabliert: das international anerkannte Greenhouse Gas Protocol sowie die ISO-Norm 14064. Während das Protokoll vor allem als praxisnaher Leitfaden dient, ermöglicht die ISO-Norm eine externe Verifizierung und Zertifizierung. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse – ein Faktor, der insbesondere für Banken und Investoren zunehmend entscheidend ist. Der damit verbundene Aufwand ist jedoch erheblich und sollte von Beginn an realistisch eingeplant werden.

Herausforderungen bei Scope 3

Die erstmalige Erstellung einer CO₂-Bilanz erstreckt sich in der Regel über mehrere Monate. Besonders die umfassende Einbeziehung von Scope-3-Emissionen kann sich über Jahre hinziehen, da hierfür belastbare Daten aus der gesamten Wertschöpfungskette benötigt werden, die häufig noch nicht vollständig vorliegen. Erst eine valide und belastbare CO₂-Bilanz schafft die Grundlage, um Klimarisiken realistisch einzuschätzen und wirksame Maßnahmen gezielt zu steuern.

Relevanz für Zulieferer und Banken

Die Praxis zeigt: Ohne fundierte CO₂-Daten lassen sich keine seriösen Klimaziele definieren. Gleichzeitig wird deutlich, dass insbesondere kleinere Zulieferbetriebe mittelbar betroffen sind, da große Unternehmen ihre Anforderungen entlang der gesamten Lieferkette weitergeben. Wer valide Emissionsdaten bereitstellen kann, sichert sich nicht nur den Zugang zu Märkten, sondern verschafft sich auch Vorteile im Dialog mit Finanzinstituten. Banken benötigen diese Daten zunehmend, um Klimarisiken ihrer Geschäftspartner einzuschätzen und in ihre Kreditentscheidungen einzubeziehen.

Regulatorische Anforderungen

Reduktionsziele: Zwischen Ambition und formaler Anerkennung

Ein zentrales Element jedes Transitionsplans sind die Reduktionsziele. In der Praxis zeigt sich, dass viele Unternehmen diese Ziele zunächst ohne formale Rahmenwerke wie die Science-Based Targets (SBTi) entwickeln. Das ist keineswegs ein Mangel, sondern ein Abbild der Realität: Transformation beginnt oft mit pragmatischen, selbst gesetzten Schritten.
Manche Finanzpartner setzen auf SBTi-konforme Ziele, aber auch alternative Methoden können von Bedeutung sein. Wichtig ist, dass die gesetzten Ziele ambitioniert, nachvollziehbar und strategisch eingebettet sind. Daher lohnt es sich, mit den Finanzpartnern in den Dialog zu treten: Welche Gründe stehen hinter dieser Forderung? Inwiefern erfüllen bestehende Zielsysteme bereits die gleichen Kriterien? Und wo wäre eine Anpassung sinnvoll?
Die Kernaussage bleibt: Reduktionsziele sind wirksam, wenn sie konsistent verfolgt werden – unabhängig vom Label.

Rahmenbedingungen: Mit Widersprüchen konstruktiv umgehen

Unternehmen bewegen sich in einem komplexen Umfeld. Nationale und europäische Vorgaben entwickeln sich stetig weiter, sind zum Teil schwer nachvollziehbar und nicht immer widerspruchsfrei. Hinzu kommt, dass internationale Wettbewerbsbedingungen unterschiedlich sind – ein Faktor, der Zielkonflikte verschärfen kann.
Die Erfüllung aller Anforderungen ist aktuell kaum möglich. Entscheidend ist deshalb nicht, jede Vorgabe bis ins letzte Detail umzusetzen, sondern den eigenen Weg klar und nachvollziehbar darzustellen. Unternehmen, die ihre Prioritäten offenlegen („Diese Themen haben wir schon umgesetzt, an jenen arbeiten wir noch“), ihre Schwerpunkte begründen und einen Fahrplan für die nächsten Schritte aufzeigen, schaffen Transparenz. Genau das macht sie anschlussfähig für Banken und Investor:innen: Sie sehen, dass das Unternehmen strukturiert vorgeht, Risiken und Chancen kennt und kontinuierlich daran arbeitet.

ESG im Fokus: Vom Klima zu Biodiversität und Wasser

Banken konzentrieren sich aktuell schwerpunktmäßig auf Klimarisiken – sowohl auf physische Risiken wie Extremwetterereignisse oder Trockenperioden als auch auf Übergangsrisiken, die durch Regulierung oder CO₂-Bepreisung entstehen.
Am Horizont zeichnen sich weitere ESG-Schwerpunkte ab, die in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Dazu zählt insbesondere die Biodiversität: Erste Analysen zur Betroffenheit einzelner Branchen laufen bereits. Auch der Wasserfußabdruck rückt stärker in den Fokus – vor allem in wasserintensiven Sektoren oder in Regionen mit begrenzten Ressourcen. Ergänzend gewinnt die Kreislaufwirtschaft an Gewicht, da Ressourceneffizienz sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile bietet.

Zu beobachten ist, dass manche Unternehmen diese Themen schon heute aufgreifen – nicht, weil sie regulatorisch gefordert wären, sondern weil sie strategisch sinnvoll erscheinen. In der Textilbranche beispielsweise wird das Thema Wasser bereits gezielt genutzt, um sich im Markt zu differenzieren. Dieses proaktive Vorgehen zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht ausschließlich auf externe Anforderungen reagieren muss, sondern auch immer mehr ein Instrument für strategische Positionierung wird.

Fazit: Mit klaren Zielen zur Finanzierungssicherheit

Transitionspläne sind kein Selbstzweck. Sie helfen Unternehmen dabei, Reduktionsziele, Maßnahmen und Investitionen in einen nachvollziehbaren Rahmen zu bringen – und damit sowohl intern als auch gegenüber Finanzpartner:innen Orientierung zu schaffen.
Formale Standards wie die Science-Based Targets sind dabei ein möglicher, aber nicht der einzige Weg. Entscheidend ist, dass Ziele konsistent, ambitioniert und strategisch verankert sind. Banken richten ihren Fokus aktuell auf Klimarisiken, doch Themen wie Biodiversität, Wasser und Kreislaufwirtschaft werden folgen.
Unternehmen, die diese Entwicklungen frühzeitig einbeziehen und in klare Strukturen überführen, stärken durch Transparenz, klaren Zielen und Maßnahmen ihre Finanzierbarkeit – und damit ihre Zukunftsfähigkeit.

 

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Daniel Barth
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Jonas Theile
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